Wir sollten noch heute unser Apfelbäumchen pflanzen.
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Was können wir also tun?

Um dem eigenen Begehren zu folgen ist Kooperation nötig, nicht Konkurrenz. Wir folgen unserem Begehren nicht, indem wir dahin rennen, wo andere hin wollen (oder die Werbung sagt, dass wir hinrennen sollen), sondern wo ich hin will. Andere Menschen sind dabei keine Konkurrenten, sondern notwendig, weil ihr Mehr, wenn sie für mich Autorität haben, einen Weg dahin zeigt.

Wenn wir in einer Konkurrenzsituation sind, ist es hilfreich die Frage zu stellen: 1) Ist es wirklich eine Mangelsituation (wobei das selten ein Frage ist, die sich objektiv bewerten lässt, sondern eine Frage danach, wie ich eine Situation symbolisch bewerten will. Verstehe ich z.B. die offene Stelle als knappe Ressource, die ich brauche, oder ist diese Stelle mir gar nicht so wichtig?) oder 2) ist es ein Spiel, das durch die Konkurrenz mehr Würze bekommt und mehr Spaß macht?

- Vielleicht ist das eine Möglichkeit des kreativen Umgangs damit, dass wir die Konkurrenz und den Wettbewerb wieder als das ansehen, was es ursprünglich war: Ein Spiel. Konkurrenz macht den Reiz eines Spieles aus, etwa beim Squash: Solange keine Punkte gezählt werden, strenge ich mich nicht an. Es macht Spaß, Kräfte zu messen, zu gewinnen – weniger zu verlieren. Aber das ist nicht wirklich existenziell wichtig. So wie ich mich zwar im Moment der Squash-Niederlage ärgere und im Fall eines Sieges freue – große Emotionen – so dauert das nur einen Augenblick. Nach dem Duschen habe ich meist schon vergessen, wer diesmal gewonnen oder verloren hat, es hat keine wirkliche Bedeutung. Das heißt, bei solchen unwichtigen Dingen kann Konkurrenz Spaß machen.

- Wenn wir jedoch unseren Ort in der Welt suchen, also in Beziehung zu anderen Frauen gehen, um unser Verständnis der Welt zu finden, dann ist Konkurrenz keine geeignete Form. Denn es geht nicht um einen Mangel, sondern um die Fülle unseres Begehrens, unserer Ideen, die Fülle an Möglichkeiten, weil ständig Neues entstehen kann. Es gilt daher, andere Formen der Differenz zu etablieren, andere Beziehungsformen für Ungleichheit zu finden.

Deshalb haben viele Frauen eine Abneigung gegen die Konkurrenz, auch wenn diese ihnen derzeit ausgetrieben wir, auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Freiheit der Frauen an ihrer Gleichheit mit den Männern misst. Aber weibliche Freiheit bedeutet nicht, die männliche Lust an der Konkurrenz zu imitieren, sondern eine eigene, möglicherweise auch für die Welt bessere Weise zu finden, mit dem Anderssein umzugehen, mit der Tatsache, dass andere etwas besser können als ich. Damit könnten sie auch Dinge herausfinden und eine Praxis einüben, die sie denjenigen Männern anbieten, die ebenfalls keine Lust auf Konkurrenz haben.

Das Verhältnis der Frauen zur Welt muss nicht in der symbolischen Ordnung des Mangels verhaftet bleiben. Sie können ihr eigenes Begehren in die Welt tragen, indem sie es der Autorität andere Frauen anvertrauen, indem sie das Mehr der anderen nicht als Bedrohung ansehen, sondern als ein möglicher Weg, die eigenen Leidenschaften zu entdecken, indem sich nicht auf Rechte pochen, sondern auf konkrete Verhandlungen setzen: Verhandlungen mit mir selber über den Preis, den ich wofür zu bezahlen bin oder auch nicht, und auf Verhandlungen mit anderen darüber, was meine Wünsche sind, was ihre Wünsche sind, und wie wir die Welt so gestalten, dass die Probleme, die unsere Gesellschaft hat, besser gelöst werden, als das derzeit der Fall ist.
Antje Schrupp
27.4.07 09:33





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